Eigentlich war ich 2003 auf der Suche nach der Webseite der Buchmesse-Con in Frankfurt. Dabei gelangte ich auf irgendeinen LARP-Kalender und las: "Der Wilde Westen lebt" und ein Link führte auf eine Webseite. Wow, dachte ich, meine alte Passion, an die ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gedacht hatte. Western als Live Rollenspiel, ist ja lustig.

Und so schaute ich mich dort um, las im Forum über die Diskussionen, welche Spielzeugwaffen man für das Spiel verwenden könnte, wie die Kostüme gemacht werden könnten, und das das Ganze nicht nach realen Vorbildern gestaltet sei, sondern nach Western Filmen, sei es aus den USA oder die berühmten Spaghetti-Western. Das Ganze war nett und vor allem sehr ausführlich gemacht und ich schrieb einen freundlichen Kommentar ins Gästebuch. Muß doch mal schauen ob es den noch gibt...

Tatsächlich, den gibt es noch:
von Ralf »Searge« Pappers aus Mönchengladbach am 30.03.2003 19:24
Howdy,

ich glaub es nicht. Meine alte Leidenschaft gibt es auch als Rollenspiel. Ich bin begeistert über die Menge an Infos auf den Seiten. Hab mich gerde durch die Ausstattung gearbeitet... Wow!

Liebe grüße vom Niederrhein
Searge

Und anscheinend hatte sich einer der Macher die Mühe gemacht meine Homepage zu besuchen, denn kurz darauf bekam ich eine nette Mail von ihm, in der unter anderem fragte, was denn SF-Radio sei. Und da kam mir dann spontan eine Idee. Wenn man Phantastic weit streute, dann fielen LARPs auf jeden Fall darunter, aber eben nicht nur Fantasy, sondern auch Western. Und warum dann nicht einen Bericht fürs Radio darüber machen? Kurz gesagt, ich schlug ihnen vor, ich würde einen großen Radiobericht über das Spiel machen, wenn ich dafür verbilligten Eintritt bekommen würde.

Und dann saß ich plötzlich im Auto Richtung Magdeburg, traf dort ein und machte Bekanntschaft mit einer mir völlig fremden Welt, LARPern. Noch nie wurde ich, als völlig Fremder, so herzlich aufgenommen. Der eine bot mir ein Grillwürstchen an, der andere einen Kaffe (wohlgemerkt, alles vor dem Spiel) und so kam ich sofort mit den Leuten ins Gespräch. Was für eine postive Erfahrung und angenehme Überraschung.

Aber es sollte noch besser kommen. Tom, einer der Organisatoren, meinte in unserem Vorgespräch zu mir, ich wäre ja auch Rollenspieler, ob ich nicht Lust hätte aktiv mitzuspielen, statt nur passiv dabei zu sein. Und so war ich plötzlich der Erbe eines Grundstückes, welches mitten in der Stadt lag. Und diese Stadt, Phoenix City, wollte unbedingt Provinzhauptstadt werden. Dazu mußten aber einige Bedingungen erfüllt werden, unter anderem der Bau einer Kirche. Und dafür gab es nur ein Grundstück, mein geerbtes! Puff, war ich mitten im Plot!

Und dann hatte mich das Western-LARP Fieber gepackt und hält mich bis heute in seinem Bann. Es ist wie früher als Kind, wo ich nicht nur zu Karneval in meinen Cowboy-Kostüm herumlief. Hier konnte ich das so richtig ausleben. Die Klamotten, die Ausstattung, mit einem Colt an der Seite herumlaufen und all die Leute erleben, die Ihre Rollen mit Leben erfüllten. Es war und ist großartig!

Als ich nach den fünf Tagen (FÜNF Tage... !) wieder auf dem Heimweg war, hatte ich ständig noch das Gefühl des Holsters an meiner Seite, den Hut auf dem Kopf. Es war Strange! Und wenn mir eine Frau über den Weg lief, war ich ständig kurz davor wie ein Gentlemen an meinen Hut zu tippen, den ich gar nicht mehr auf dem Kopf trug. Eine phantastische Zeit.

Ach ja, heute bin ich der Webmaster der WWL-Seiten und habe eine eigene kleine Westernseite eröffnet: Die Tagebücher des William T. Monk. Das Leben ist manchmal sehr Verrückt! :)

Ergänzung

Inzwischen sind dreizehn lange Jahre vergangen. Ich erlebte grandiose Spiele, schlechte Spiele, gute Spiele, und trotzdem macht es immer wieder Spaß in diese Klamotten zu schlüpfen und den Western aus den Filmen zu erleben. Und natürlich auch in die diversen Rollen zu schlüpfen.

Dann gab es eine kleine Flaute, weil irgendwie keine der bisherigen Orgas ein vernünftiges Spiel auf die Beine stellen wollte oder konnte. Dann hörte ich von Buffalo Hill, von Freunden aus München. Diese schwärmten von diesem Spiel und in mir wuchs wieder die Sehnsucht nach einem richtig guten Spiel. Aber die Strecke! Die Strecke war so wahnsinnig weit. Aber als dann Buffalo Hill 3 anstand, konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und musste mich einfach anmelden. Und was soll ich sagen, es war grandios! Und mir war sofort klar Buffalo Hill wird zu meiner zweiten Western Heimat.

Natürlich habe ich mich dann auch für Buffalo Hill vier angemeldet, das stand außer Frage. Und dieses Spiel topte die Nummer drei noch mal um einiges. Es war grandios, es war spitzenmäßig, es war einfach unsagbar geil! Und dann kam zum Schluss diese Hiobsbotschaft. Es wird kein Buffalo Hill mehr geben! Man hätte im Saal eine Stecknadel fallen hören. Ich hatte mich schon gewundert warum Matze kurz vorher die Worte weggeblieben, und dann wussten wir alle warum das so war.

Und da Matze darum gebeten hat nicht zu diskutieren, sondern die Entscheidung einfach zu akzeptieren, bleibt uns allen einfach nichts anderes übrig. Es hat Spaß gemacht, es war großartig, tolle Kostüme, tolles Ambiente, tolle Menschen. Und so kann ich nur sagen farewell Buffalo Hill!

Aber das Westernspiel lebt Gott sei Dank weiter, denn inzwischen gibt es seit 2015 wieder wunderbare Spiele im Süden unserer Republik.

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